Seit über 40 Jahren dreht Pedro Almodovar Filme, längst ist er einer der größten des internationalen Kinos und hat nun, mit fast 70 Jahren nicht nur seinen persönlichsten, sondern auch einen seiner schönsten Filme gedreht. Unverhohlen autobiographisch ist „Leid und Herrlichkeit“, der im Wettbewerb von Cannes Premiere feierte und für Begeisterung sorgte.

Vor 30 Jahren drehte der Regisseur Salvador Mallo (Antonio Banderas) seinen berühmtesten Film, doch die Dreharbeiten waren von schweren persönlichen und beruflichen Problemen überschattet. Nun steht eine Jubiläumsvorführung an und Salvador beschließt, mit seiner Vergangenheit ins Reine zu kommen: Er kontaktiert seinen damaligen Hauptdarsteller Alberto (Asier Etxeandia), dessen Darstellung er gelinde gesagt wenig geschätzt hat. Während Salvador inzwischen ein gefeierter Star ist, lebt Alberto in einer bescheidenen Wohnung, spielt Off-Theater – und raucht regelmäßig Heroin, genau die Droge, die vor Jahrzehnten zu Problemen führte. Denn damals war Salvador dem Koks zugetan, das mit seiner aufputschenden Wirkung den gegenteiligen Effekt hat, während seine große Liebe Federico das betäubende Heroin nahm. Nun jedoch – auch angesichts dauerhafter Rückenschmerzen, Migräne und anderen Wehwehchen – lässt er sich zu einem Experiment hinreißen. Im Fiebertraum des Heroin-Rausches erinnert sich Salvador an seine Kindheit, das Leben mit seiner Mutter (Penélope Cruz) und seine ersten Begegnungen mit dem Kino. Und einige Tage später ruft plötzlich Federico (Leonardo Sbaraglia) bei ihm an.

Spätestens wenn das Plakat zu Fellinis autobiographischen Meisterwerk „8 ½“ an einer Wand zu sehen ist, dürfte deutlich sein, dass der ohnehin stets aus seinem Leben schöpfende Pedro Almodovar diesmal besonders nah an seinen eigenen Erfahrungen erzählt. Einige Male hatte er schon Episoden aus seiner Kindheit verwendet, zuletzt in „La Mala Educacion – Schlechte Erziehung“, der seine Erfahrungen auf einem katholischen Internat thematisierte, diesmal geht es um einem älteren Künstler, einen weltweit erfolgreichen schwulen Regisseur, der seine wilden Jahre in Madrid verbrachte.

Bei allen Parallelen zwischen Salvador und Almodovar, darf man „Leid und Herrlichkeit“ jedoch nicht als klassisch autobiographischen Film verstehen. Gerade das Salvador an einer Schreibkrise leidet, seit Jahren keinen Film mehr drehen konnte, ist weit von der Produktivität Almodovars entfernt. Nicht 1:1 erzählt dieser also aus seinem Leben, sondern nimmt eigene Ereignisse, Erfahrungen, Enttäuschungen als Anlass, um über das Wesen eines Künstlers zu erzählen, vor allem aber über die Emotionen eines Mannes.

Passend zu „Leid und Herrlichkeit“ servieren wir spanischen Rosé: Salamandra Rosado. „Intensiver Duft nach Erdbeere, frischen Früchten. Im Mund wirkt er sehr saftig und lebendig“ – Wein der Woche bei Ten555Berlin. Preis: 2,50€ pro Glas.

Spanien 2019
FSK
ab 6
Länge
113
Genre
Drama
Regie
Pedro Almodovar
Schauspieler
Antonio Banderas, Asier Etxeandia, Penélope Cruz, Leonardo Sbaraglia, Nora Navas, Julieta Serrano, César Vicente
2019-07-25
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