Im November 1992 zerstörte der rassistische Brandanschlag von Mölln die Leben von İbrahim Arslan und seiner Familie. Der damals siebenjährige İbrahim überlebte, verlor aber seine Schwester, seine Cousine und seine Großmutter. Die Stadt Mölln erhielt Hunderte Briefe mit Solidaritätsbekundungen, von denen aber fast drei Jahrzehnte niemand Notiz nahm. Der Film folgt İbrahim bei der Entdeckung dieser Briefe und bei der Begegnung mit drei ihrer Verfasser*innen. Zugleich zeichnet er ein komplexes Porträt des anhaltenden Traumas, das İbrahim und seine Geschwister bis heute beeinträchtigt. İbrahim hat einen Umgang mit den Geschehnissen gefunden, indem er aktiv gegen Rassismus kämpft und sich für eine Erinnerungskultur einsetzt, die die Opfer ins Zentrum stellt. Sein Bruder Namik hingegen befindet sich noch am Anfang seines Wegs der Bewältigung.

Der Film beleuchtet nicht nur die Erfahrungen der Überlebenden, er deckt auch die große Solidarität auf, die es damals gab – eine Solidarität, von der die Opfer bis zu diesem Zeitpunkt nichts wussten. Er schlägt eine Brücke zwischen Vergangenheit und Gegenwart und nimmt eine Perspektive des Erinnerns ein, die den Stimmen der Betroffenen den Raum und die Anerkennung gibt, die sie verdienen.

Stellungnahme und Entschuldigung von Geschäftsführer Matthias Elwardt zum Vorfall bei der Veranstaltung „Die Möllner Briefe“ am 22.09.25 im Zeise Kino:

Ich möchte mich in aller Form bei Ibrahim Arslan, Joram Bejanaro und den Gästen im Saal für diese unglückliche und verletzende Eröffnung von „Die Möllner Briefe“ im Zeise Kino am Montag, dem 22. September 2025,  entschuldigen. Ein wichtiger antirassistischer Film über den Brandanschlag in Mölln 1992. Das T-Shirt von Ibrahim Arslan zeigte die Landkarte Israels bedeckt mit der palästinensischen Flagge. Dies habe ich als Wunsch der Vertreibung der Juden aus Israel gelesen. Ich habe ihn vor dem Film zusammen mit dem Produzenten des Films angesprochen, dass ich das als antisemitisch und unpassend empfinde. Daraufhin  ist Ibrahim Arslan auf die Bühne gegangen und hat meine Kritik vor einer Begrüßung öffentlich gemacht.

In dieser unerwarteten Situation war ich absolut überrumpelt und überfordert und habe nicht den richtigen  Ton für dieses so schwierige Thema gefunden. Stattdessen habe ich meine Meinung in den Vordergrund  gestellt. Dafür bitte ich um Entschuldigung.  Mir war es wichtig auszudrücken, dass für mich jede Form der Darstellung, die das Existenzrecht einer  Bevölkerungsgruppe infrage stellt, sehr problematisch ist. Meine Argumentation war nicht gegen eine  bestimmte Person oder Herkunft gerichtet, sondern Ausdruck meiner Überzeugung, dass alle Menschen ein Recht auf Leben und Würde haben. Dies gilt selbstverständlich auch für die palästinensische Bevölkerung im Gaza-Streifen.

Mir ist bewusst, dass gerade Ibrahim Arslan, als Überlebender der rassistischen Anschläge von Mölln 1992 durch meine Worte, aber auch durch mein bevormundendes Verhalten verletzt worden ist. Ich möchte  klarstellen: Mein Ziel war nie, Ibrahim Arslan oder andere Betroffene von Rassismus in Frage zu stellen.  Dass meine Reaktion als rassistisch und übergriffig empfunden wurde, nehme ich sehr ernst. Rassismus und Antisemitismus haben in meinem Kino keinen Platz und ich verurteile jede Form von  Diskriminierung. Mein Ziel war und ist es, Austausch, Respekt und Menschlichkeit zu fördern.

Es war eine große Geste, dass sich Ibrahim Arslan vor Beginn des an die Filmvorführung anschließenden Gesprächs vor dem Publikum für die eskalierte Situation entschuldigt hat. Ich bedauere sehr, dass ich mich in diesem Moment nicht auch entschuldigt habe. Das anschließende Gespräch mit vielen Betroffenen auf der Bühne war sehr gut und zeigte die große Wirkung des Films, sowie die Wichtigkeit, diese Themen in die Gesellschaft zu tragen.

Als Zeichen meiner Entschuldigung und Solidarität stellen wir die Kinoeinnahmen der Premiere von „Die Möllner Briefe“ und aller folgenden Vorstellungen dieses Films Ibrahim Arslans Organisation „reclaim&remember“ zur Verfügung. Ich schätze und respektiere ihn und seine Arbeit sehr.

Im Zeise Kino sind schon immer alle Menschen, unabhängig von Herkunft, Religion und Weltanschauung, herzlich willkommen. Das spiegelt sich auch in unserem Filmprogramm wider: „No Other Land“ (von Basel Adra, Hamdan Ballal, Yuval Abraham, Rachel Szor – ein Film über die völkerrechtswidrige Siedlerpolitik im Westjordanland) haben wir Monate lang im Programm gehabt, genauso wie Filme zu jüdischen Themen.

Erneut möchte ich mich sehr bei allen Beteiligten für meine Fehlreaktion entschuldigen. Auch beim Team des Zeise Kinos, welches ich dadurch in eine unangenehme Rechtfertigungssituation gebracht habe. Wichtig ist mir, dass aus diesem Vorfall deutlich wird: Rassismus in jeder Form darf keinen Platz haben – nicht in unserem Kino, nicht in unserer Gesellschaft.

Ich danke Ibrahim Arslan für seine wichtige Arbeit und seine Bereitschaft, trotz allem in den Dialog zu gehen. Ich werde zukünftig sensibler zuhören und den Raum weiterhin für Betroffene öffnen.

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Matthias Elwardt

Geschäftsführer der Zeise-Kinos

Deutschland 2025
FSK
ab 12
Länge
96
Genre
Dokumentation
Regie
Martina Priessner