Klaus Fried über seinen Film FRIENDLY FIRE:
„Es ist eine seltsame Sache, seine Eltern mit einer ganzen Generation junger Deutscher zu teilen, die ihren eigenen Eltern nicht trauen wollten. Manche fügten sich in unsere Familie ein, wie der Studentenführer Rudi Dutschke, der mit einem Fünfjährigen zu spielen wusste, oder der Clown-Bomber Fritz Teufel, der einen wunderbaren Strudel backte. Aber die meisten hatten nur Augen für Erich. Das war für uns Kinder ärgerlich.
Unser Haus war zum Bersten voll - Idealisten, die in seinem Arbeitszimmer über Politik redeten, Terroristen, die in der Küche Aktionen planten und ein ständiges Lager von Hippies, die im Garten kifften. Für uns war er „Papa“ - ein Spielzeugmacher und ein Insektenretter. Ein rundbäuchiger Brotstopfer, der mit seinen Fettfingern alles reparieren konnte. Ein Hamsterer, der an keinem Müllcontainer vorbeikam, ohne ihn nach irgendwelchen ausrangierten Dingen zu plündern, die er zur großen Empörung meiner Mutter nach Hause schleppte, als wäre er ein anderer Flüchtling, der gerettet werden musste. Aber der unaufhörliche Strom von „Besuchern“ strömte zu ihm wie zu einer Art politischem Guru.“
Was es ist:
Es ist Unsinn
sagt die Vernunft
Es ist was es ist
sagt die Liebe
Es ist Unglück
sagt die Berechnung
Es ist nichts als Schmerz
sagt die Angst
Es ist aussichtslos
sagt die Einsicht
Es ist was es ist
sagt die Liebe
Es ist lächerlich
sagt der Stolz
Es ist leichtsinnig
sagt die Vorsicht
Es ist unmöglich
sagt die Erfahrung
Es ist was es ist
sagt die Liebe
1983
aus: Erich Fried: Es ist was es ist. Liebesgedichte, Angstgedichte, Zorngedichte. Verlag Klaus Wagenbach, Berlin 1991