„Meine Haut fühlt sich warm und lebendig an, diesen September in San Quentin. Als wäre ich eine Eidechse, die sich auf einem großen Stein sonnt.“ Das sagt die Stimme des Dichters und Häftlings Spoon Jackson, während wir auf Landschaftsbilder der sonnendurchtränkten Mojave-Wüste in Kalifornien schauen.

Der Film "Barstow, California" (der Geburtsort von Spoon Jackson) ist sowohl ein ergreifendes Portrait der kalifornischen Wüste und des in ihr eingeschriebenen Lebens als auch eine Begegnung mit Jackson, der seit 1977 in zahlreichen Gefängnissen in lebenslanger Haftstrafe einsitzt. Komers lässt Jackson Passagen aus dessen Autobiographie verlesen, die wir im Off hören, ohne ihn selbst je ins Bild zu bringen.

Stattdessen sehen wir eine virtuose und überraschende Kollage von kinematographisch eindrucksvollen Landschafts-bildern der Gegend, in der Jackson seine kurze Kindheit und Jugend verbrachte. Diese wird uns mitunter vorgestellt von zwei der 14 Brüder Jacksons, die in Freiheit leben und Auskunft geben über eine Familiengeschichte, die geprägt ist von Armut, Gewalt, Einsamkeit und Rassismus. All das wird verhandelt, ohne je ins Zentrum gerückt zu werden: So entsteht ein Bild von Spoon Jackson aus kleinen und kleinsten Teilen, die nie zu eindeutig, nie zu klar, nie zu einfach sich zueinander fügen und gerade darin den Mensch wie den Ort zum Schillern bringen.

„Vielleicht verdiene ich
kein Lob dafür,
dass ich geboren wurde,
aber ganz gewiss
verdiene ich auch keine
Schuldzuweisungen“
 – Spoon Jackson, „Wie ich sündigte“, zu finden in dem Sammelband „Felsentauben erwachen auf Zellenblock 8“ (edition offenes feld) – mit einem Nachwort von „Barstow, California“ Regisseur Rainer Komers.

 

Deutschland, USA 2018
Länge
76
Genre
Dokumentation
Regie
Rainer Komers
2019-10-03

Alle Spielzeiten

Barstow, California
Dienstag, 24.9.
19:30
Zeise 1
HH-Premiere mit Live-Skype-Interview mit Regisseur und dem inhaftierten Protagonisten
Sonntag, 6.10.
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